Immer wieder wurde in einem kleinen Dorf ein abgemagerter Kater gesichtet, der verzweifelt versuchte, in Häuser zu gelangen. Laut maunzend, sichtbar ausgehungert, nur noch Haut und Knochen, schien er jeden Tag aufs Neue um Hilfe zu bitten. Doch es dauerte eine ganze Weile, bis sich schließlich jemand seiner erbarmte und uns informierte – mit der Bitte, den Kater von seinem Elend zu erlösen. Wir machten uns sofort auf den Weg. Es war Sonntag, wir fuhren direkt in die Notfallsprechstunde einer Tierarztpraxis. Eine erste Untersuchung ergab keine sichtbaren Verletzungen, sein Zustand war kritisch, aber nicht hoffnungslos.

Robin bei seiner Rettung im Juni 2025
Einschläfern? Dafür war es noch zu früh. Also nahmen wir ihn mit, um am nächsten Tag zur regulären Sprechzeit erneut vorstellig zu werden. Wir nannten ihn Robin. Sehr schnell wurde deutlich, woran Robin litt: Er war extrem ausgehungert, hatte über lange Zeit kaum Nahrung aufnehmen können. Weitere Untersuchungen ergaben schließlich die Ursache: Seine Zunge war zu etwa einem Drittel gelähmt – vermutlich durch eine frühere Verletzung oder eine neurologische Schädigung. Das erklärte, warum er trotz seines großen Hungers so lange kaum fressen konnte. Lange war Robin auf intensive Unterstützung angewiesen. Mehrmals täglich fütterten wir ihn per Hand, gaben ihm kleine Portionen direkt ins Mäulchen, die er dann schlucken konnte. Es war mühsam, zeitintensiv und erforderte viel Geduld, doch Robin nahm langsam zu und seine Lebensfreude kehrte zurück. Endlich musste sein Körper nicht mehr jeden Rest Energie nur fürs bloße Überleben aufbringen. Mit der Zeit stabilisierte sich sein Zustand. Robin begann sogar, eigene Wege zu entwickeln, um trotz der Einschränkung selbstständig zu fressen: Er tauchte seine Zunge erst ins Wasser, dann in Trockenfutter, so blieben die Pellets haften, und er konnte sie schlucken. Dieser Einfallsreichtum zeigt uns einmal mehr, wie stark sein Lebenswille war. Heute frisst Robin vollständig selbstständig. Die vielen anstrengenden Monate intensiver Pflege und liebevoller Handfütterung haben ihm nicht nur das Leben gerettet, sondern ihm Schritt für Schritt wieder eine echte Lebensperspektive eröffnet.
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| Das ist Robin heute. |
Robin wird weiterhin besondere Rücksicht brauchen, doch inzwischen ist klar, dass er gute Chancen hat, in ein eigenes Zuhause ziehen zu dürfen. Ein Zuhause bei Menschen, die seine Geschichte kennen, aufmerksam sind und ihm die Ruhe und Sicherheit geben, die er braucht. Wir sind dankbar, dass wir Robin auf diesem Weg begleiten durften – und hoffen, dass sein nächstes Kapitel von Beständigkeit, Fürsorge und Zuneigung geprägt sein wird.
